Programmablauf
Diese Seite beschreibt den vollständigen Arbeitsablauf in EPOS-Plan, von der Projektanlage bis zur Auswertung – ausführlicher als die Dokumentation, die den Funktionsumfang im Überblick darstellt. Die Reihenfolge ist eine Empfehlung: Sie können jederzeit zwischen den Bereichen wechseln, doch jede Stufe nutzt die Ergebnisse der vorhergehenden, weshalb Rückwärtsarbeiten meist Nacharbeit bedeutet.
Inhalt dieser Seite
- 1. Programmstart und Grundeinstellungen
- 2. Projekt anlegen oder öffnen
- 3. Klimaregion festlegen
- 4. Wärmebedarf ermitteln
- 5. Strombedarf ermitteln
- 6. Wärmeerzeuger auswählen und auslegen
- 7. Speicher festlegen
- 8. Simulation konfigurieren
- 9. Simulation durchführen
- 10. Ergebnisse auswerten
- 11. Kosten erfassen und Bericht erstellen
- Hinweise für die Praxis
1. Programmstart und Grundeinstellungen
Nach dem Start meldet sich EPOS-Plan mit dem Hauptfenster. In der Kopfzeile stehen Programmname und Version, darunter die Menüleiste mit den Bereichen Projekte, Administration und Hilfe sowie der Sprachumschaltung. Die Bedienoberfläche steht in Deutsch und Englisch zur Verfügung; ein Wechsel startet das Programm neu, damit alle Beschriftungen übernommen werden.
Vor dem ersten Projekt lohnt ein Blick in Administration › Einstellungen. Dort legen Sie die Verzeichnisse für Import und Export fest, den Pfad zu den VDI-3805-Herstellerdaten, die Adresse der Online-Dokumentation sowie die Schnittstellen für Klimadaten und Ortssuche. Alle Werte lassen sich jederzeit auf die Voreinstellung zurücksetzen. Die Stammdatenkataloge – Gebäudetypen, Brauchwasser- und Prozessprofile, Stromverbraucher, Wärmepumpen, Kessel, BHKW-Module, Kollektoren, PV-Module, Puffer- und Stromspeicher, Klimaregionen sowie Energiepreise – erreichen Sie ebenfalls über das Menü Administration. Werksseitige Datensätze sind schreibgeschützt; eigene Einträge legen Sie daneben an.
2. Projekt anlegen oder öffnen
Ein neues Projekt starten Sie über Projekte › Neu oder die Kachel auf der Startseite. Der Assistent fragt zuerst, welche Bausteine das Projekt enthält: Gebäude, externer Wärmebedarf, Prozesswärme, Stromverbraucher, Stromlastgang, Wärmepumpe, Heizkessel, BHKW, Solarthermie, Photovoltaik und Stromspeicher. Diese Auswahl steuert den weiteren Verlauf – nicht angekreuzte Bausteine werden übersprungen und tauchen später auch nicht in der Simulationskonfiguration auf. Sie lässt sich jederzeit über Projekte › Bearbeiten ändern.
Auf der zweiten Seite tragen Sie Projektname, Bearbeiter, Kunde und eine Beschreibung ein und wählen die Klimaregion. Projektname und Klimaregion sind Pflichtangaben. Anschließend führt der Assistent durch die aktivierten Bausteine; mit „Speichern“ werden Projekt und alle Zuordnungen in die Datenbank geschrieben.
Ein bestehendes Projekt öffnen Sie über Projekte › Öffnen – die Liste zeigt Name und Beschreibung – oder direkt über den Eintrag für das zuletzt bearbeitete Projekt. Beim Öffnen werden sämtliche Listen des Hauptfensters gefüllt: Wärmepumpen, BHKW, Kessel, Speicher, Gebäude, Bedarfsdaten und Erzeuger. Das Löschen eines Projekts entfernt alle zugehörigen Daten und ist deshalb durch eine Sicherheitsabfrage geschützt. Einzelheiten beschreibt die Unterseite Projektverwaltung.
3. Klimaregion festlegen
Jedes Projekt ist genau einer Klimaregion zugeordnet, die für alle 8.760 Jahresstunden Außentemperatur und Strahlung liefert. Ist für den Standort noch kein Datensatz vorhanden, legen Sie ihn in der Klimadatenverwaltung an: Ort eingeben oder Koordinaten direkt eintragen, Import starten. EPOS-Plan ermittelt die Geokoordinaten, lädt einen typischen meteorologischen Jahresdatensatz, rechnet die Strahlung auf die Ausrichtungen Süd, Ost, West und Nord um und berechnet die Sonnenstände. Zwei Diagramme zeigen Temperatur- und Sonnenwinkelverlauf zur Kontrolle.
Auf der Startseite wählen Sie die Region im Auswahlfeld und speichern sie mit der Schaltfläche daneben; damit wird eine projekteigene Kopie angelegt. Ein Wechsel der Klimaregion verändert Bedarf und Erträge erheblich und macht eine erneute Simulation erforderlich.
4. Wärmebedarf ermitteln
Der Wärmebedarf entsteht aus bis zu vier Anteilen, die getrennt erfasst und stundenweise addiert werden. Der erste ist die Gebäudeheizwärme. Sie wählen im Katalog ein Gebäude – gefiltert nach Wohn- oder Nichtwohngebäude, Gebäudeart und Baualtersklasse von „vor 1919“ bis BEG 40 – und übernehmen es ins Projekt. In der Projektkopie geben Sie die Bezugsgröße an, üblicherweise die Wohnfläche.
Liegen Verbrauchsdaten statt Flächen vor, wählen Sie als Einheit Ölverbrauch in Litern, Gasverbrauch in Kubikmetern oder Megawattstunden oder allgemeinen Brennstoffverbrauch. Zusammen mit dem Jahresnutzungsgrad der Altanlage rechnet EPOS-Plan daraus die Nutzwärme und skaliert das Gebäudemodell so, dass es genau diesen Bedarf abbildet – der Jahresgang ist damit an die reale Abrechnung gebunden.
Die Kenngrößen des Gebäudetyps pflegen Sie bei Bedarf im Katalog: Wohnfläche und Fläche je Nutzer, Raumhöhe, Fensterflächen nach Süd, Nord und Ost/West, Fensterdurchlassgrad, Flächen und U-Werte von Außenwand, Dach, Grundfläche und sonstigen Bauteilen, Wärmebrückenzuschläge mit Anschlusslängen, Luftwechselrate und Bauweise. Auf einer zweiten Seite folgen Raumsolltemperatur, Nacht-, Wochenend- und Ferienabsenkung, maximale Raumtemperatur sowie vier Ferienzeiträume. Aus diesen Angaben berechnet das Programm für jeden der 365 Tage die Tagesheizlast und verteilt sie über eine typabhängige 24-Stunden-Kurve auf Stundenwerte.
Der zweite Anteil ist das Warmwasser: Typ aus dem Katalog wählen, Jahresverbrauch eintragen – die Verteilung über das Jahr übernehmen Monatsanteile und ein Wochenprofil mit 168 Stundenwerten, das sich im Editor tageweise anpassen lässt. Der dritte Anteil ist die Prozesswärme, die nach demselben Muster erfasst wird; für jedes Temperaturniveau oder jeden Prozess legen Sie einen eigenen Eintrag an. Der vierte Anteil ist ein extern eingelesener Wärmelastgang, der als Stundenreihe direkt zum berechneten Bedarf addiert wird. Ergänzend tragen Sie Netzverluste als Prozentsatz oder absoluten Jahreswert ein; sie werden gleichmäßig über das Jahr verteilt. Details enthält die Unterseite Wärmebedarfsberechnung.
5. Strombedarf ermitteln
Der Strombedarf entsteht aus Verbrauchertypen mit Monatswerten und 168-Stunden-Wochenprofilen. Da Eigenverbrauch und Speicherbewirtschaftung in Stundenmittelwerten zu günstig ausfallen, rechnet EPOS-Plan intern mit 35.040 Viertelstundenwerten je Jahr. Liegt ein gemessener Lastgang vor, lesen Sie ihn ein – Stunden- wie Viertelstundenwerte werden erkannt und dem berechneten Profil überlagert. Ergebnis sind Jahresverbrauch, Monatswerte, Leistungsspitze und die geordnete Jahresdauerlinie; mehr dazu auf der Unterseite Strombedarfsberechnung.
6. Wärmeerzeuger auswählen und auslegen
Wärmepumpe. Im Auswahldialog filtern Sie den Katalog nach Hersteller, Funktionsprinzip, Regelung, Bauart, Aufstellung, vorhandener Zusatzheizung, Vorlauftemperaturbereich und Nennleistung. Nach der Übernahme legen Sie Vor- und Rücklauftemperatur, den Umgang mit dem Heizstab, die bivalente Betriebsweise und mögliche Sperrzeiten fest. Maßgeblich für das Ergebnis ist das Kennfeld: Für die gewählte Vorlauftemperatur enthält es zu jeder Quellentemperatur Wärmeleistung und Leistungszahl, zwischen denen die Simulation stündlich interpoliert.
Heizkessel. Auswahl nach Brennstoffart und Leistungsklasse; hinterlegt sind Nennleistung, brennstoffabhängige Wirkungsgrade, Brennwertkennzeichnung und Betriebsbereitschaftsverlust. Ein Elektrokessel wird abgebildet, indem als Energieträger Strom gewählt wird.
BHKW. Auswahl nach Brennstoff und thermischer Leistungsklasse mit thermischer und elektrischer Leistung, Gesamtwirkungsgrad und unterer Modulationsgrenze. Die Fahrweise – wärmegeführt, stromgeführt oder ohne Einspeisung – stellen Sie im Ergebnisbereich ein und können sie dort direkt vergleichen.
Solarthermie. Kollektortyp, Modulanzahl, Apertur- und Modulfläche sowie Neigung und Azimut. Die Ertragsberechnung nutzt die Kollektorkennwerte nach EN 12975.
Photovoltaik. Modultyp, Modulanzahl, Neigung und Azimut; mehrere Teilfelder für unterschiedliche Dachflächen sind möglich und in der Praxis oft sinnvoll.
7. Speicher festlegen
Thermische Pufferspeicher werden über Volumen, Vor- und Rücklauftemperatur und Bereitschaftsverlust beschrieben; die nutzbare Kapazität ergibt sich aus Volumen und Temperaturspreizung. Im nächsten Schritt ordnen Sie den Speicher einem oder mehreren Erzeugern zu und legen die Schwellen fest, ab denen geladen und wieder abgeschaltet wird. Batteriespeicher beschreiben Sie über Kapazität, Leistung und Ladezustandsgrenzen; sie nehmen in der Simulation Überschüsse auf und decken später den Reststrombedarf.
8. Simulation konfigurieren
Der Dialog Simulation Konfiguration ist die Schaltzentrale. Vier Auswahlfelder bestimmen, welche Wärmeerzeuger teilnehmen – Wärmepumpe, Heizkessel, BHKW und Solarthermie –, je ein weiteres Feld gilt für Photovoltaik und Stromspeicher. Die Reihenfolge der Felder ist die Priorität: Der erste Erzeuger deckt so viel Bedarf wie möglich, der zweite bekommt den Rest.
In der Rubrik Pufferspeicher ordnen Sie den ausgewählten Erzeugern die Speicher zu und legen Vorlauf- und Rücklauftemperatur sowie Ein- und Abschaltschwelle fest. Die Übersicht rechts zeigt alle ausgewählten Erzeuger mit den zugehörigen Anlagen des Projekts. Bei Wärmepumpen stellen Sie dort per Doppelklick weitere Eigenschaften ein: die Priorität bei mehreren Maschinen, die Wärmequelle – Außenluft, konstante Temperatur, Pufferspeicher, eigenes Quellprofil aus Monats- und Wochenwerten oder ein eingelesenes CSV-Temperaturprofil –, die Wärmesenke – gesamter Bedarf, nur Warmwasser oder nur Heizung – und den Betriebsmodus: laufzeitoptimiert mit maximaler Leistung, leistungsoptimiert mit genau der benötigten Wärmemenge oder PV-optimiert mit Vorrang für selbst erzeugten Strom. Die Konfiguration wird gespeichert und bleibt dem Projekt erhalten.
9. Simulation durchführen
Mit dem Start rechnet EPOS-Plan das Jahr in Stundenschritten auf der Wärmeseite und in Viertelstundenschritten auf der Stromseite durch. Ausgangsgröße jeder Stunde ist der Wärmebedarf; der erste Erzeuger deckt davon so viel, wie Kennfeld, Betriebsgrenzen und Speicherstand zulassen, die Restwärme geht an den nächsten. Was am Ende offen bleibt, erscheint als Restwärmebedarf. Parallel wird die Strombilanz geführt: Zum Bedarf des Objekts kommen die Verbräuche der Wärmeerzeuger, davon abgezogen werden BHKW-Strom, Photovoltaik und Speicherentladung; der Rest ist Netzbezug, negative Werte sind Einspeisung.
10. Ergebnisse auswerten
Die Auswertung ist nach Bereichen gegliedert. Energiebedarf zeigt Wärmelast und Strombedarf als Jahresganglinie oder Jahresdauerlinie mit Maximum und Jahressumme, die Wärmelast getrennt nach Heizwärme und Warmwasser. Der Bereich Wärmepumpe weist Wärmebedarfsdeckung, Bivalenzpunkt, Speicherkapazität, durchschnittliche Vollbenutzungsstunden und minimale Spitzenkesselleistung aus, dazu Ganglinien für Bedarf, Heizstab und Produktion, den Stromverbrauch, die Leistung über der Außentemperatur und eine Modultabelle. Für Heizkessel, BHKW, Solarthermie und Photovoltaik gibt es entsprechende Bereiche mit Deckungsanteil, Produktion, Restbedarf, Verbrauchs- und Emissionswerten.
Die Ergebnisseite fasst zusammen: zwei Ringdiagramme für Wärme- und Strombedarfsdeckung, Kennzahlkacheln für den verbleibenden Rest, eine Tabelle der Jahresarbeit je Erzeuger. Die Autarkieanalyse stellt monatsweise Direktverbrauch, Speichernutzung und Netzbezug gegenüber und weist Autarkiegrad, solarthermische Deckung, thermischen Nutzungsgrad und CO₂-Einsparung aus. Zwei weitere Ansichten zeigen Wärme- und Stromproduktion als Jahresganglinie mit ein- und ausblendbaren Erzeugern und dem Speicherfüllstand. Das Ergebnis lässt sich je Projekt speichern. Alle Zeitreihen können als CSV-Datei mit Zeitstempel und Außentemperatur exportiert werden.
11. Kosten erfassen und Bericht erstellen
Erst wenn die Technik steht, lohnt die Kostenerfassung, denn dann liegen die Mengen fest. Das Kostenmodul gliedert sich in Investitions-, Betriebs- und Energiekosten: je Komponente Positionen mit Betrag, Einheit, Nutzungsdauer und einer Bandbreite zwischen günstigem und ungünstigem Fall, wobei sich die im Technikmodul hinterlegten Anlagenkosten als Planwert übernehmen lassen. Bei den Energiepreisen pflegen Sie je Energieträger Arbeits-, Grund- und Leistungspreis, Heiz- beziehungsweise Brennwert sowie Emissionsfaktoren mit Gültigkeitsdatum.
Auf dieser Grundlage bewertet EPOS-Plan die Vergleichsgruppe aus Stammprojekt und Varianten nach der Kapitalwertmethode gemäß DIN EN 17463: Kapitalwert, Annuität und Barwerte je Projekt, Ersatzbeschaffung und Restwert sowie drei Szenarien für Erwartung, besten und ungünstigsten Fall. Das Stammprojekt ist die Referenz; gegen sie werden Kapitalwert-Differenz, dynamische Amortisationszeit und interner Zinsfuß ausgewiesen. Sensitivitäten zeigen, wie empfindlich das Ergebnis auf Kalkulationszins und Energiepreissteigerung – jeweils um einen Prozentpunkt verändert – sowie auf Investition und Energiekosten mit je zehn Prozent Abweichung reagiert. Berücksichtigt sind außerdem die Zuschlagsregeln des KWKG 2025, die CO₂-Abgabe nach dem Brennstoffemissionshandelsgesetz für fossile Brennstoffe und eine Strommatrix aus Hoch- und Niedertarif für Winter und Sommer; die Emissionsbilanz stellt gekoppelte und getrennte Erzeugung gegenüber und weist die vermiedene CO₂-Menge aus. Wie die Rechnung im Einzelnen aufgebaut ist, beschreiben die Unterseiten Wirtschaftlichkeitsrechnung, Erlösrechnung und Schadstoffemissionen.
Den Abschluss bildet der Bericht. Varianten legen Sie über Projekte › Als Variante speichern… aus dem Stammprojekt an; im Dialog Projekte › Varianten/Bericht wählen Sie die Projekte der Gruppe aus und stellen die Bausteine des Dokuments zusammen. Jeder Berichtslauf simuliert zuerst alle gewählten Projekte neu, rechnet anschließend die Wirtschaftlichkeit der gesamten Gruppe und erzeugt erst danach die Ausgabe – einen Word-Vergleichsbericht mit Diagrammen und Differenz-Tabellen sowie eine Excel-Arbeitsmappe mit denselben Zahlen, beides ohne Office-Installation. Für drei Projekte sind rund 35 Sekunden zu veranschlagen. Einzelheiten beschreibt die Unterseite Bericht drucken.
Hinweise für die Praxis
Prüfen Sie den Bedarf gegen bekannte Verbrauchsdaten, bevor Sie Technik hinzufügen – ein um zwanzig Prozent falscher Bedarf entwertet jede nachfolgende Auslegung. Rechnen Sie eine einfache Referenzvariante, etwa nur Kessel, um eine Vergleichsbasis zu haben, und fügen Sie danach Komponenten einzeln hinzu, damit nachvollziehbar bleibt, welcher Baustein welchen Beitrag leistet. Ausgearbeitete Fälle finden Sie unter Beispiele, die fachlichen Hintergründe unter Grundlagen.