Erlösrechnung

Die Erlösrechnung ist die Ertragsseite des Arbeitsablaufs. Über den Ertrag entscheidet nicht die erzeugte Menge, sondern ihre Verwertung: Dieselbe Kilowattstunde wird unterschiedlich bewertet, je nachdem ob sie selbst genutzt, gespeichert, eingespeist oder als Wärme geliefert wird. Die Systematik der Erlösarten beschreibt die Grundlagenseite Erlösrechnung; diese Seite zeigt den Weg zu Mengen und Preisen im Programm.

Voraussetzung ist ein durchgerechneter Jahresgang; speichern Sie das Simulationsergebnis je Projekt, damit nachvollziehbar bleibt, auf welchem Mengengerüst die Erlöse beruhen. Im Ablauf steht die Erlösrechnung zwischen Kostenmodul und Wirtschaftlichkeitsrechnung: Das Kostenmodul liefert die Preisbasis, die Simulation die Mengen, die Wirtschaftlichkeitsrechnung führt beides über den Betrachtungszeitraum zusammen.

Inhalt dieser Seite

Energiepreise als Grundlage

Die Preisbasis pflegen Sie unter Administration › Energieträger und Kostenkennwerte: je Energieträger Arbeitspreis, Grundpreis und – wo zutreffend – Leistungspreis, dazu Heiz- beziehungsweise Brennwert, Einheitenumrechnung und Emissionsfaktoren, jeweils mit Gültigkeitsdatum, woraus eine Preishistorie entsteht. Dieselben Stammdaten tragen Kostenseite, Ertragsseite und Emissionsbilanz.

Bei Strom sind drei Größen mit sehr unterschiedlichem Gewicht zu unterscheiden: Bezugspreis, vermiedener Bezug durch Eigenverbrauch und Einspeisevergütung. Selbst genutzter Strom ersetzt Netzbezug zum vollen Arbeitspreis einschließlich Netzentgelten, Abgaben und Umlagen; eingespeister Strom wird nach der geltenden Regelung vergütet und liegt meist deutlich darunter. Grund- und Leistungspreis hängen nicht an der bezogenen Arbeit: Der Grundpreis bleibt unverändert, der Leistungspreis sinkt nur, wenn die Eigenerzeugung die Jahreshöchstlast tatsächlich verringert.

Zuschläge für Strom aus Kraft-Wärme-Kopplung, Einspeisevergütung, vermiedene Netznutzungsentgelte und energiesteuerliche Erstattungen sind als Systematik anzusetzen; Sätze, Fristen und Voraussetzungen ändern sich häufig und sind projektbezogen zu prüfen.

Mengengerüst aus der Simulation

Auf der Stromseite führt EPOS-Plan die Bilanz in 35.040 Viertelstunden je Jahr – in Stundenmittelwerten fielen Eigenverbrauch und Speicherbewirtschaftung zu günstig aus. In jedem Zeitschritt gilt die Rangfolge Direktverbrauch, Speicherladung, Einspeisung; reicht die Erzeugung nicht, wird zuerst der Speicher entladen, der Rest ist Netzbezug. Auf diese Mengen sind Bezugspreis, Vergütung und Zuschläge anzuwenden.

Auf der Wärmeseite rechnet die Simulation 8.760 Stunden und weist je Erzeuger Wärmeproduktion, Deckungsanteil, Betriebsstunden und Brennstoffverbrauch nach Energieträger aus, dazu Restbedarf und Überschüsse. Abzulesen sind diese Größen auf der Ergebnisseite, in den Modultabellen der Ergebnisbereiche, in der Autarkieanalyse und im Stromdiagramm mit Speicherfüllstand; alle Zeitreihen stehen als CSV-Datei mit Zeitstempel und Außentemperatur bereit.

Bewertung der einzelnen Komponenten

Photovoltaik. Der Ertrag zerfällt in drei Mengen: direkt genutzter Strom zum vermiedenen Bezugspreis, Speicherladung und eingespeister Überschuss zur geltenden Vergütung. Mehrere Teilfelder verschieben vor allem die zeitliche Lage des Ertrags und damit diese Aufteilung; Hintergründe unter Photovoltaik.

Batteriespeicher. Er erzeugt keinen eigenen Erlös; sein Beitrag entsteht aus der Umwidmung: Strom, der sonst eingespeist worden wäre, ersetzt später Netzbezug. Zu bewerten ist die Differenz zwischen Bezugspreis und Einspeisevergütung, bezogen auf die entladene Menge abzüglich der Verluste; Näheres unter Stromspeicher.

BHKW und Kraft-Wärme-Kopplung. Der Strom wird wie bei der Photovoltaik in selbst genutzte und eingespeiste Mengen getrennt; hinzu treten die Zuschläge für Strom aus Kraft-Wärme-Kopplung, die für beide Mengen unterschiedlich hoch ausfallen. Die Wärme wird als Lieferung vergütet oder als vermiedene Bereitstellung der Referenz angesetzt. Weil die Fahrweise – wärmegeführt, stromgeführt oder ohne Einspeisung – diese Aufteilung verschiebt, ist sie eine der wirksamsten Größen der Ertragsseite; Näheres unter BHKW.

Wärmepumpe. Sie erzeugt keine Erlöse, verändert aber beide Bilanzseiten: Ihr Strombedarf einschließlich Heizstab und Hilfsantrieben vergrößert den Verbrauch, an dem sich der Eigenverbrauch bemisst; ihr Wärmebeitrag ist als vermiedener Brennstoffeinsatz gegenüber der Referenz anzusetzen. Der Betriebsmodus – laufzeit-, leistungs- oder PV-optimiert – bestimmt, wie stark Verbrauch und eigene Erzeugung zusammenfallen.

Heizkessel und Elektrokessel. In der Referenzvariante liefert der Kessel den Vergleichsmaßstab: Seine Brennstoffkosten sind die Größe, die eine andere Variante vermeidet – ohne saubere Referenz bleibt jeder Ansatz vermiedener Kosten unbestimmt. In der Zielvariante deckt er Spitzenlast und Restbedarf und wird nur mit diesen Mengen bewertet. Ein Elektrokessel wird über den Energieträger Strom abgebildet und kann Überschüsse aufnehmen – mit dem schlechtesten Wirkungsgrad aller Optionen.

Solarthermie. Der Erlös besteht ausschließlich aus vermiedenem Brennstoff oder Strom des verdrängten Erzeugers. Maßgeblich ist nicht der Kollektorertrag, sondern der davon genutzte Anteil: Nicht nutzbare Erträge weist die Simulation als Überschuss aus, und sie bleiben unbewertet – der Überschuss bestimmt damit die Auslegung des Kollektorfelds.

Pufferspeicher. Auch er trägt keinen eigenen Erlös bei, sondern verschiebt Betriebszeiten: Er verlängert die BHKW-Laufzeit und ermöglicht den PV-optimierten Betrieb der Wärmepumpe. Gegenposten sind die Bereitschaftsverluste – sie heben die Wärmeproduktion über den Wärmebedarf, und diese Differenz ist nicht erlöswirksam.

Wärmelieferung. Bei Nahwärme oder Contracting entstehen Erlöse aus Arbeits-, Grund- und gegebenenfalls Leistungspreis. Anzusetzen ist die an der Übergabestelle gelieferte Menge, nicht die erzeugte – die im Wärmebedarf als Prozentsatz oder Jahreswert erfassten Netzverluste und die Speicherverluste sind davon abzuziehen.

Kennzahlen der Stromverwertung

Die Eigenverbrauchsquote gibt an, welcher Anteil der eigenen Erzeugung im Objekt bleibt, und sinkt mit wachsender Anlage; der Autarkiegrad gibt an, welcher Anteil des Bedarfs aus eigener Erzeugung gedeckt wird, und steigt mit ihr. Wirtschaftlich wiegt die Eigenverbrauchsquote schwerer: Sie beschreibt den Mengenanteil, der zum vollen Bezugspreis bewertet wird. Der Anteil der Speicherentladung an der Bedarfsdeckung zeigt, welchen Teil davon erst die Batterie ermöglicht, die verbleibende Einspeisung die zum niedrigsten Satz abfließende Menge; die Autarkieanalyse stellt beides monatsweise gegenüber. Ein hoher Autarkiegrad allein ist kein Wirtschaftlichkeitsnachweis – er lässt sich durch eine größere Anlage erkaufen.

Stellschrauben für mehr Eigenverbrauch

Eine Ost-West-Aufteilung der Photovoltaik verbreitert das Erzeugungsprofil zu Lasten der Mittagsspitze und trifft damit häufiger auf Bedarf; ein Batteriespeicher trägt sie in den Abend. Der PV-optimierte Betriebsmodus der Wärmepumpe nutzt Puffer und Gebäudemasse als thermischen Speicher – oft der wirksamere Hebel, weil thermische Speicherkapazität günstiger ist als elektrische. Beim BHKW verschiebt die stromgeführte Fahrweise die Erzeugung in Zeiten hohen Eigenbedarfs; die Fahrweise ohne Einspeisung unterbindet die Netzabgabe ganz. Ändern Sie jeweils nur eine Größe und rechnen Sie erneut; weil jede Maßnahme Investitionen auslöst, ist der Mehrerlös gegen die Mehrkosten zu stellen.

Hinweise für die Praxis

Mehr Betriebsstunden bedeuten nicht automatisch mehr Ertrag. Prüfen Sie bei stromerzeugenden Anlagen, ob der Erlös einer Kilowattstunde die Grenzkosten – Brennstoff und verbrauchsabhängige Wartung – übersteigt; fällt die Erzeugung überwiegend in Zeiten ohne Eigenbedarf, kann eine Betriebsstunde rechnerisch Verlust bringen.

Zeitlich befristete Vergütungen und Zuschläge gehören in die Kapitalwertbetrachtung, nicht in einen Jahresmittelwert: Sie laufen meist vor dem Ende des Betrachtungszeitraums aus. Setzen Sie außerdem jede Größe nur einmal an – als Erlös oder als verringerte Energiekosten, nicht als beides.

Halten Sie die Preise mit Gültigkeitsdatum aktuell – Bezugspreise, Vergütungen und Brennstoffpreise entwickeln sich unterschiedlich schnell; ein veralteter Preisstand entwertet den Variantenvergleich. Prüfen Sie zudem, ob die Eigenerzeugung die Leistungsspitze senkt: Die Jahresganglinie des Strombedarfs zeigt, wann der Jahreshöchstwert auftritt und ob zu dieser Zeit eigene Erzeugung vorliegt.

Wie sich diese Erlöse mit den Kosten zu Kapitalwert, Jahreskosten und Wärmegestehungskosten verbinden, beschreibt die Unterseite Wirtschaftlichkeitsrechnung, die Emissionsseite die Unterseite Schadstoffemissionen und die Ausgabe Bericht drucken; alle Schritte im Zusammenhang zeigt die Seite Programmablauf. Die Hintergründe finden Sie unter Grundlagen › Erlösrechnung und Kostenrechnung, ausgearbeitete Fälle unter Beispiele.