Wirtschaftlichkeitsrechnung

Die Wirtschaftlichkeitsrechnung führt zusammen, was in den vorangegangenen Schritten getrennt entstanden ist: das Mengengerüst der Jahressimulation, die Kosten der Komponenten und die Erlöse aus der Verwertung von Strom und Wärme. Die Reihenfolge ist dabei nicht beliebig – erst steht die Technik, dann folgt die Kalkulation. Erst wenn Betriebsstunden, Brennstoffverbräuche, Eigenverbrauch und Netzbezug feststehen, ist klar, welche Mengen überhaupt zu bewerten sind; wer die Kosten früher erfasst, rechnet mit Werten, die sich beim nächsten Simulationslauf wieder verschieben. Binden Sie die Kostenerfassung deshalb an ein gespeichertes Simulationsergebnis.

Diese Seite beschreibt den Arbeitsablauf im Programm. Die Methodik dahinter beschreibt Grundlagen › Wirtschaftlichkeitsrechnung, die Systematik der Kostenarten die Kostenrechnung; die Ertragsseite behandelt die Unterseite Erlösrechnung.

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Kosten je Komponente erfassen

Das Kostenmodul gliedert sich in Investitionskosten, Betriebskosten und Energiekosten. Zu jeder im Projekt vorhandenen Komponente lassen sich beliebig viele Positionen erfassen, jeweils mit Betrag, Einheit, Nutzungsdauer in Jahren und einer Bandbreite zwischen günstigem und ungünstigem Fall. Die im Technikmodul hinterlegten Anlagenkosten können als Planwert übernommen werden. Summen werden fortlaufend je Komponente und für das Gesamtprojekt ausgewiesen. In die Aufstellung gehören auch Positionen, die keiner Maschine zuzuordnen sind – Hydraulik, Elektroinstallation, Planung und Inbetriebnahme – mit ihren eigenen, meist längeren Nutzungsdauern.

Wärmepumpe. Zur Maschine kommen die Erschließung der Wärmequelle sowie die hydraulische und elektrische Einbindung. Verbrauchsgebunden zählt der gesamte Stromverbrauch einschließlich des Heizstabs, den die Auswertung getrennt ausweist. Sperrzeiten und ein gesonderter Tarif für Wärmepumpenstrom verändern den anzusetzenden Arbeitspreis und gehören deshalb zu den Energiepreisen, nicht zu den Betriebskosten.

Heizkessel und Elektrokessel. Neben Kessel, Abgasanlage und Einbindung stehen die Brennstoffkosten aus dem nach Energieträgern getrennt ausgewiesenen Verbrauch sowie betriebsgebundene Positionen wie Wartung, Schornsteinfeger und Messung. Ein Elektrokessel wird über den Energieträger Strom abgebildet; seine Kosten entstehen damit auf der Stromseite.

BHKW. Die Wartung motorischer Anlagen wird üblicherweise als Betrag je erzeugter Kilowattstunde angesetzt und ist damit direkt an die Betriebsstunden gekoppelt. Die Nutzungsdauer eines Motors liegt deutlich unter der eines Kessels, sodass Motorüberholung oder Aggregattausch als Ersatzinvestition in den Betrachtungszeitraum fallen. Gegenzurechnen sind die Stromerlöse aus der Erlösrechnung.

Solarthermie. Die Kosten sind fast vollständig kapitalgebunden: Kollektorfeld, Montage, Speicheranbindung und Regelung. Verbrauchsgebunden bleibt allein der Hilfsstrom für Pumpen und Regelung, betriebsgebunden im Wesentlichen die Wartung.

Photovoltaik. Module, Unterkonstruktion, Wechselrichter, Verkabelung und Messeinrichtung bilden die Investition. Weil der Wechselrichter eine kürzere Nutzungsdauer hat als die Module, ist sein Austausch als Ersatzinvestition anzusetzen. Laufende Kosten beschränken sich meist auf Versicherung, Messung und Instandsetzung.

Pufferspeicher. Speicher, Dämmung und Einbindung sind eine einmalige Investition mit langer Nutzungsdauer, die deutlich über der der Erzeuger liegt; laufende Kosten entstehen kaum. Wirtschaftlich wirkt der Speicher indirekt, weil er Betriebsstunden verschiebt – längere Laufzeiten des BHKW, weniger Takten des Kessels, mehr PV-Strom in der Wärmepumpe.

Batteriespeicher. Hier bestimmt die Degradation die Nutzungsdauer; liegt sie unter dem Betrachtungszeitraum, gehört ein Ersatz in die Rechnung. Der Nutzen entsteht ausschließlich über den zusätzlich selbst genutzten Strom, weshalb zur Batterie immer die Gegenüberstellung von Mehrinvestition und zusätzlichem Eigenverbrauch gehört.

Energiepreise und Preishistorie

Die Energiepreise pflegen Sie unter Administration › Energieträger und Kostenkennwerte. Je Energieträger sind Arbeitspreis, Grundpreis und – wo zutreffend – Leistungspreis hinterlegt, dazu Heiz- beziehungsweise Brennwert, die Einheitenumrechnung und die Emissionsfaktoren. Jeder Satz trägt ein Gültigkeitsdatum, sodass später nachvollziehbar bleibt, mit welchem Preisstand eine Variante gerechnet wurde.

Bei Strom sind drei Größen zu unterscheiden, die in der Bewertung sehr unterschiedlich wiegen: der Bezugspreis, der vermiedene Bezug durch Eigenverbrauch und die Einspeisevergütung. Wird Wärme bezogen statt selbst erzeugt – im Nahwärmenetz oder beim Contracting –, tritt an die Stelle der Brennstoffkosten der Wärmepreis mit Arbeits-, Grund- und gegebenenfalls Leistungspreis. Wie die erzeugten Mengen auf der Ertragsseite bewertet werden, beschreibt die Unterseite Erlösrechnung.

Randbedingungen der Rechnung

Vor der Bewertung sind die Rahmenannahmen festzulegen. Der Betrachtungszeitraum orientiert sich an der Nutzungsdauer der wesentlichen Komponenten; üblich sind 15 bis 20 Jahre. Der Kalkulationszinssatz bildet Kapitalkosten und Renditeerwartung ab. Preissteigerungsraten sind für Brennstoff, Strom, Wartung und sonstige Kosten getrennt anzusetzen, weil sich Energiepreise und Lohnkosten erfahrungsgemäß unterschiedlich entwickeln. Ersatzinvestitionen, die innerhalb des Zeitraums anfallen – Motorüberholung, Wechselrichtertausch, Ersatz der Batterie –, gehören ebenso in die Rechnung wie ein Restwert für Komponenten, deren Nutzungsdauer darüber hinausreicht. Diese Annahmen sind für alle verglichenen Varianten identisch zu halten, sonst vergleicht die Rechnung nicht Technik, sondern Annahmen.

Bewertung nach Kapitalwert- und Annuitätenmethode

Auf dieser Grundlage werden die Varianten nach der Kapitalwert- oder der Annuitätenmethode bewertet. Der Kapitalwert fasst alle künftigen Zahlungen abgezinst auf den Investitionszeitpunkt zusammen; er ist die geeignete Größe, wenn Zahlungen schwanken oder zeitlich befristet sind – wie bei Vergütungen und Zuschlägen. Die Annuität verteilt dieselben Zahlungen gleichmäßig und liefert Jahreskosten. Aus ihnen ergeben sich die Wärmegestehungskosten je Kilowattstunde, die Varianten am unmittelbarsten vergleichbar machen, sofern für alle dieselbe Bezugsmenge und dieselbe Bilanzgrenze gilt. Die Amortisationszeit ergänzt das Bild, trägt eine Entscheidung aber nicht allein.

Referenzvariante und Variantenvergleich

Jeder Vergleich braucht einen Bezugspunkt. Bewährt hat sich eine einfache Referenzvariante, etwa die reine Kesselversorgung oder der Bestand vor der Sanierung. Gegen sie lassen sich Mehrinvestition, eingesparte Energiekosten und zusätzliche Erlöse ins Verhältnis setzen. Für den Vergleich gilt dieselbe Regel wie auf der technischen Seite: jeweils nur eine Größe ändern – Maschinengröße, Speichervolumen, Betriebsmodus, Erzeugerreihenfolge – und erneut simulieren und bewerten. Weil alle Varianten auf denselben Bedarfs- und Klimadaten beruhen, bleiben sie unmittelbar vergleichbar. Das Simulationsergebnis lässt sich je Projekt speichern; für die tabellarische Gegenüberstellung stehen sämtliche Zeitreihen als CSV-Export bereit.

Sensitivität über Bandbreiten

In frühen Projektphasen sind Kostenangaben unsicher, und Preisentwicklungen über zwanzig Jahre kennt niemand. Die je Position erfassten Bandbreiten sind deshalb der einfachste Einstieg in eine Sensitivitätsbetrachtung: Rechnen Sie die Varianten einmal mit den günstigen und einmal mit den ungünstigen Werten und prüfen Sie, ob die Rangfolge stabil bleibt. Dasselbe lohnt für Kalkulationszinssatz und Preissteigerungsraten. Bleibt die Reihenfolge unverändert, ist die Entscheidung robust. Kippt sie schon innerhalb der Bandbreite, ist sie durch die Rechnung nicht zu treffen – dann entscheiden Kriterien wie Versorgungssicherheit, Platzbedarf, Betriebsaufwand oder Emissionen.

Hinweise für die Praxis

Übernehmen Sie die Anlagenkosten als Planwert, statt sie abzutippen – so bleiben Technik- und Kostenstand konsistent, wenn die Auslegung sich noch einmal ändert. Dokumentieren Sie zu Angebotspreisen den Preisstand über das Gültigkeitsdatum; ohne Datum ist eine Kalkulation nach einem Jahr nicht mehr belastbar. Prüfen Sie beim BHKW zuerst die Betriebsstunden, bevor Sie rechnen: Bei deutlich unter 4.000 Vollbenutzungsstunden im Jahr wird die Kalkulation die Auslegung selten retten. Förderungen, Zuschläge und steuerliche Wirkungen gehen als Systematik in die Rechnung ein; Sätze, Fristen und Voraussetzungen hängen unter anderem von Leistungsklasse, Inbetriebnahmedatum, Brennstoff und Betreibermodell ab und sind für das konkrete Projekt zu prüfen.

Bei allem gilt: Die Rechnung bewertet Annahmen, nicht Tatsachen. Sie zeigt, unter welchen Bedingungen eine Variante vorteilhaft ist, und ersetzt keine steuerliche oder rechtliche Beratung. Wo die Wirtschaftlichkeitsrechnung im Gesamtablauf steht, zeigt die Programmablauf-Übersicht; die Ertragsseite behandelt die Erlösrechnung, die Umweltwirkung die Unterseite Schadstoffemissionen, die Ausgabe der Ergebnisse Bericht drucken. Die fachlichen Hintergründe finden Sie unter Grundlagen › Wirtschaftlichkeitsrechnung, Kostenrechnung und Vergleich der Energiebilanz, ausgearbeitete Fälle unter Beispiele.