Strombedarfsberechnung

Der Strombedarf entsteht auf demselben Weg wie der Wärmebedarf: aus Verbrauchertypen mit Monatswerten und 168-Stunden-Wochenprofilen. Ein gemessener Lastgang lässt sich zusätzlich einlesen. Anders als auf der Wärmeseite rechnet EPOS-Plan den Strom jedoch nicht in Stunden, sondern in Viertelstunden – aus Gründen, die unmittelbar mit der Bewertung von Eigenverbrauch und Speicherbetrieb zusammenhängen.

Diese Seite beschreibt den Arbeitsablauf im Programm. Herkunft und Aufbau der Lastprofile beschreibt die Grundlagenseite Strombedarf und Lastprofile; wo der Schritt im Gesamtablauf steht, zeigt die Programmablauf-Übersicht. Erfasst wird der Strombedarf nur, wenn die Bausteine Stromverbraucher beziehungsweise Stromlastgang im Projekt aktiviert sind.

Inhalt dieser Seite

Verbrauchertypen und Wochenprofile

Sie wählen einen Verbrauchertyp aus dem Katalog und geben den Jahresverbrauch an; die Verteilung über das Jahr übernehmen die hinterlegten Monatswerte und das Wochenprofil mit 168 Stundenwerten. Der Jahresverbrauch ist damit die einzige Zahl, die Sie zwingend kennen müssen – die zeitliche Struktur liefert der Typ.

Mehrere Verbrauchertypen lassen sich nebeneinander führen; der Gesamtbedarf des Objekts entsteht aus ihrer Summe. Das ist der Weg, um unterschiedliche Nutzungen getrennt abzubilden, statt sie in einer einzigen Jahreszahl zu vermengen. Wie bei allen Katalogkomponenten entsteht beim Zuordnen eine projekteigene Kopie: Angepasste Werte bleiben im Projekt und verändern den Katalog nicht.

Monatswerte und Wochenprofil folgen demselben Muster wie auf der Wärmeseite; deren Bearbeitung im Profileditor beschreibt die Unterseite Wärmebedarfsberechnung.

Rechnen in Viertelstundenwerten

Für Eigenverbrauchsbetrachtungen ist die Stundenauflösung zu grob: Eigenverbrauch und Speicherbewirtschaftung fallen in Stundenmittelwerten zu günstig aus, weil sich kurzzeitige Lastspitzen und Erzeugungsspitzen innerhalb einer Stunde rechnerisch gegenseitig aufheben, obwohl sie zeitlich gar nicht zusammenfallen. EPOS-Plan rechnet das Profil deshalb auf Viertelstunden um und arbeitet intern mit 35.040 Werten je Jahr.

Diese Auflösung ist keine Darstellungsfrage, sondern eine Frage der Belastbarkeit: Sie entscheidet darüber, welcher Anteil der eigenen Erzeugung rechnerisch im Objekt bleibt und welcher Anteil eingespeist wird – und damit über die Bewertung, die auf der Unterseite Erlösrechnung beschrieben ist.

Gemessenen Lastgang einlesen

Gemessene Lastgänge lassen sich importieren und werden je nach Zeitraster – Stunden- oder Viertelstundenwerte – automatisch eingepasst und dem berechneten Profil überlagert. Beide Wege schließen sich also nicht aus: Sie können den gemessenen Lastgang eines bestehenden Betriebsteils mit den Typprofilen weiterer Verbraucher kombinieren, etwa wenn eine Erweiterung geplant ist, für die naturgemäß noch keine Messung vorliegen kann.

Ergebnis der Berechnung

Als Ergebnis stehen der maximale Leistungsbedarf, der Jahresverbrauch, die Monatswerte und die geordnete Jahresdauerlinie zur Verfügung. Der Maximalwert ist die Größe, an der ein Leistungspreis hängt; die Jahresdauerlinie zeigt, wie viele Stunden im Jahr eine bestimmte Leistung überschritten wird, und damit, wie weit eine Eigenerzeugung überhaupt tragen kann.

Dieser Bedarf ist der Bedarf des Objekts. In der Simulation kommen später die Verbräuche der Wärmeerzeuger hinzu – vor allem Wärmepumpe und Heizstab –, während BHKW-Strom, Photovoltaik und Speicherentladung abgezogen werden; was übrig bleibt, ist Netzbezug, negative Werte sind Einspeisung.

Hinweise für die Praxis

Liegt ein gemessener Viertelstundenlastgang vor, ist er die belastbarste Eingangsgröße, die Sie in ein Projekt einbringen können – deutlich belastbarer als jedes Typprofil. Fragen Sie ihn beim Netzbetreiber oder Lieferanten an, bevor Sie mit Katalogprofilen arbeiten; bei Industrie- und Gewerbeobjekten mit Leistungsmessung liegt er in der Regel vor.

Prüfen Sie den Jahresverbrauch gegen die Stromabrechnung und den Maximalwert gegen die abgerechnete Leistungsspitze. Stimmen Jahressumme und Spitze, ist auch die Verteilung dazwischen meist brauchbar; weichen sie ab, hilft ein anderer Verbrauchertyp mehr als ein Nachjustieren der Jahreszahl.

Bedenken Sie beim Vergleich mit fremden Auswertungen, dass Stunden- und Viertelstundenrechnung unterschiedliche Ergebnisse liefern: Eigenverbrauchsquoten aus Stundenmittelwerten fallen systematisch zu hoch aus. Und ein hoher Strombedarf zur richtigen Zeit ist für die Wirtschaftlichkeit einer Photovoltaikanlage wertvoller als ein hoher Jahresverbrauch – deshalb lohnt der Blick auf das Profil und nicht nur auf die Summe.

Wie es weitergeht, zeigt die Programmablauf-Übersicht; davor liegen die Projektverwaltung und die Wärmebedarfsberechnung, danach folgen Erlösrechnung und Wirtschaftlichkeitsrechnung. Die fachlichen Hintergründe finden Sie unter Grundlagen › Strombedarf und Lastprofile, Photovoltaik und Stromspeicher, ausgearbeitete Fälle unter Beispiele.